{"id":5317,"date":"2016-09-28T16:47:04","date_gmt":"2016-09-28T14:47:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.maria-koenigin.de\/?p=5317"},"modified":"2016-09-28T16:47:19","modified_gmt":"2016-09-28T14:47:19","slug":"stasi-haeftling-peter-keup-an-maria-koenigin-zeitzeuge-berichtet-ueber-sein-bewegtes-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.maria-koenigin.de\/?p=5317","title":{"rendered":"STASI-H\u00e4ftling Peter Keup an\u00a0Maria K\u00f6nigin\u00a0\u2013 Zeitzeuge berichtet \u00fcber sein bewegtes Leben"},"content":{"rendered":"<p>30 Stunden und 29 Minuten \u2013 das war die exakte Zeit eines ununterbrochenen STASI-Verh\u00f6rs mit Peter Keup. Am Ende war der damalige 22j\u00e4hrige Mann infolge Wassermangels dehydriert und erlitt einen Nervenzusammenbruch.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5318\" src=\"http:\/\/www.maria-koenigin.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/MK-Stasi-2-Kopie.jpg\" alt=\"mk-stasi-2-kopie\" width=\"650\" height=\"488\" srcset=\"https:\/\/www.maria-koenigin.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/MK-Stasi-2-Kopie.jpg 650w, https:\/\/www.maria-koenigin.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/MK-Stasi-2-Kopie-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.maria-koenigin.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/MK-Stasi-2-Kopie-624x468.jpg 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den Grund f\u00fcr diese Folter schilderte der 1958 in Radebeul geborene Keup am Montag, 26.09.2016, \u00fcber 250 Oberstufensch\u00fclern des Gymnasiums Maria K\u00f6nigin Lennestadt im vollbesetzten Konferenzsaal. Keup, der im Auftrag der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur t\u00e4tig ist, verlebte zun\u00e4chst eine \u201eDDR-typische\u201c Jugend (der Vater war als Kommunist 1956 in die DDR gezogen): Mitglied der kommunistischen Jugendorganisationen Th\u00e4lmann-Pioniere und FDJ, strikt linientreu erzogen. \u201eIch glaubte zun\u00e4chst sogar, dass die Mauer ein \u201aantifaschistischer Schutzwall\u201b sei.\u201c \u2013 Bis die Gro\u00dfeltern aus Essen zu Besuch kamen und von Grenzschikanen und Mauertoten berichteten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wegen des danach gestellten Ausreiseantrags der Eltern galt der 16j\u00e4hrige Peter als \u201eVerr\u00e4ter\u201c, musste die Schule verlassen, durfte nicht mehr im Sportverein trainieren. Die ihm angebotene Alternative lautete: \u201eSag dich von deinen Eltern los, dann wirst du von einer Pflegefamilie adoptiert und kannst das Abitur machen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine weitere Lebensperspektive in der DDR sah Keup nicht mehr. Der anschlie\u00dfende Fluchtversuch (\u00fcber die \u010cSSR nach Ungarn, dort \u00fcber die Donau nach \u00d6sterreich schwimmen) scheiterte aber bei der DDR-Grenzkontrolle: Keup hatte vergessen, eine R\u00fcckfahrkarte zu kaufen! Es folgten entw\u00fcrdigende Leibesvisitationen, 20st\u00fcndige Verh\u00f6re und zun\u00e4chst eine viermonatige U-Haft im STASI-Gef\u00e4ngnis in Dresden. Keup, der in der Haft 20 Kilogramm Gewicht verlor, zeigte einen Filmausschnitt \u00fcber die Haftbedingungen der 2&#215;3 Meter \u201egro\u00dfen\u201c Zellen mit ihren indiskutablen \u201eSanit\u00e4reinrichtungen\u201c sowie \u00fcber die perfide Grenzsicherung der Berliner Mauer mit \u201eTodesstreifen\u201c und Selbstschussanlagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, hochkonzentriert und betroffen, hatten viele Fragen an den Zeitzeugen: Wie schl\u00e4gt man die Zeit tot, wenn man nicht einmal lesen oder Briefe schreiben darf? Wie hat er die weiteren zehn Monate Haft nach seiner Verurteilung als \u201eRepublikfl\u00fcchtling\u201c ausgehalten? Was dachten die Eltern und Geschwister, die nichts \u00fcber seinen Verbleib wussten?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Peter Keup gelangte schlie\u00dflich im M\u00e4rz 1982 im Rahmen des H\u00e4ftlingsfreikaufs in die Bundesrepublik und lebt heute in Essen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Resum\u00e9 der Sch\u00fcler war einhellig: \u201eDas ging unter die Haut \u2013 solche Geschichtsstunden sollte es \u00f6fter geben!\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>30 Stunden und 29 Minuten \u2013 das war die exakte Zeit eines ununterbrochenen STASI-Verh\u00f6rs mit Peter Keup. 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