In einem persönlichen Bericht blickt Nina Cordes aus der Q1 auf die Kenia-Fahrt unserer Schule und des Servir e.V. zurück.
Zwei Wochen voller neuer Erfahrungen, besonderer Momente, einer Menge Kinderlachen und vielfältiger Naturerlebnisse in Makuyu in Kenia haben unser Leben nachhaltig bereichert. Am 23.05. startete eine Reisegruppe, bestehend aus fünf Schülerinnen der Q1, fünf Lehrkräften und einem Vereinsmitglied, in Richtung Kenia. Im Gepäck hatten wir Kleiderspenden, Trikotsätze des FC Kirchhundem und des SSV Elspe, Musikinstrumente sowie verschiedene Geschenke, darunter Spiele für die Kinder und Laptops.
Die Reisegruppe: Miriam Wirtz, Frederik Linn, Anne-Katrin Lingemann, Markus Epe, Nina Cordes, Magdalena Richard, Maja Nentwig, Martha Kebben, Ruth Wescholek und Peter Peil (von links nach rechts). Es fehlt Christoph Tebrügge.
Bereits in den ersten Tagen entstanden besondere Erinnerungen. Einige von uns erkannten den in Kenia bekannten Ruf „God is good“ aus dem Religionsunterricht bei Herrn Rettler wieder. Ein noch bewegenderer Moment war jedoch das erste Zusammentreffen mit den Kindern. Wir durften unzählige Hände schütteln, herzliche Umarmungen erleben und erste Bekanntschaften schließen. Das besondere Lachen und die ansteckende Fröhlichkeit der Kinder berührten uns.
Zur offiziellen Begrüßung gab es eine kleine Feier, bei der ein Theaterstück aufgeführt, gesungen und getanzt wurde. Außerdem erhielten wir traditionelle kenianische Tücher als Willkommensgeschenk und wurden entsprechend eingekleidet. Wir stellten den Kindern die mitgebrachten Instrumente vor. Besonders die Tuba erwies sich als große Attraktion für die Schüler.
In den folgenden Tagen durften wir uns in den Klassen vorstellen und zahlreiche Fragen beantworten. Wir sangen die deutsche Nationalhymne, hatten viel Spaß beim Kanon „Brother John“ und erklärten den Kindern die Aussprache der deutschen Zahlen. Dabei stellte vor allem die „Fünf“ eine kleine Herausforderung dar, da der entsprechende Vokal im Englischen nicht vorkommt und das Wort häufig als „funf“ ausgesprochen wurde.
Wir hatten auch die Möglichkeit, einige Schüler sowie deren Familien zu Hause zu besuchen. Dies war eine bewegende und zugleich wertvolle Erfahrung, da wir die Armut vieler Menschen hautnah erleben konnten und unsere eigenen Lebensverhältnisse noch mehr zu schätzen lernten. Viele Familien leben ohne Strom- und Wasseranschluss und versorgen sich weitgehend selbst. Bereits in der Schule lernen die Kinder, wie Lebensmittel ohne Kühlschrank aufbewahrt werden können, da ein Kühlschrank dort als modernes Haushaltsgerät gilt, über das viele nicht verfügen.
Die Menschen in Kenia sind sehr gläubig. Dies konnten wir feststellen, als wir einen Gottesdienst besuchten, der deutlich früher stattfand, als es in Deutschland üblich ist, nämlich bereits um 6:45 Uhr. Dort durften wir Kirche auf eine ganz andere Weise erleben. Es wurde fröhlich gesungen, musiziert und gemeinsam gefeiert. Gleichzeitig wurden uns auch hier Unterschiede bewusst. Da der Kirche kein Strom zur Verfügung stand, musste sich der Priester mit einer Handy- und einer Campinglampe behelfen, um die Texte lesen zu können.
An einem der Abende erfuhren wir, dass am nächsten Tag kurzfristig ein Feiertag stattfinden würde. Dies überraschte uns, da der Anlass nicht näher erläutert wurde und die Information eher beiläufig weitergegeben wurde. Den freien Tag nutzten wir, um die Räumlichkeiten der Schule in Pundamilia sowie das neue angrenzende Grundstück zu besichtigen. Auch wurde über die zukünftige Nutzung des neuerworbenen Grundstücks gesprochen. Außerdem packten wir die Koffer mit den mitgebrachten Spenden aus und sortierten diese vor.
Neben unserer Partnerschule in Pundamilia konnten wir auch die Schule von Don Bosco kennenlernen, auf deren Gelände wir untergebracht waren. Diese unterscheidet sich von der Schule in Pundamilia vor allem durch ihre Berufsschule. Sie bietet jungen Menschen die Chance, eine qualifizierte Ausbildung zu absolvieren und dadurch gute Perspektiven für ihr späteres Berufsleben zu erhalten. Dort konnten wir zudem einen Teil der Trikotsätze und Instrumente an die Kinder überreichen. Dabei durfte eine musikalische Vorführung der „Vogelwiese“ durch Herrn Linn natürlich nicht fehlen.
Die folgenden Tage und Nachmittage nutzten wir, um eine Kaffeeplantage, eine Giraffenstation, eine Elefantenaufzuchtstation, einen Safari-Walk, eine Safari sowie eine Perlenfabrik zu besuchen. So konnten wir die schulfreien Tage sinnvoll gestalten und gleichzeitig die beeindruckende Natur Kenias sowie die wertvolle Handarbeit der Menschen näher kennenlernen.
Auch ein Spaziergang durch das Dorf Makuyu durfte nicht fehlen. Dieser war jedoch teilweise unangenehm, da wir als hellhäutige Besucher große Aufmerksamkeit auf uns zogen und vielerorts eine Besonderheit darstellten. Zudem begegneten wir Menschen mit offensichtlichen Drogenproblemen, was für uns eine ungewohnte und belastende Erfahrung war.
Zurück in Pundamilia stellten wir den Kindern die mitgebrachten Spiele vor. Während die jüngeren Schüler die Regeln teilweise noch kennenlernen mussten, konnten die älteren Kinder oft direkt mitspielen. Besonders beliebt waren die Frisbees, Springseile und Twister-Spiele.
Als gemeinsames Projekt gestalteten wir zwei große Puzzles, die die Verbundenheit unserer beiden Schulen trotz der großen Entfernung symbolisieren. Eines der Puzzles blieb in Pundamilia, während das andere künftig einen Platz an unserer Schule finden wird.
Darüber hinaus verbrachten wir viele Pausen gemeinsam mit den Kindern, bei denen es auch zu ausgelassenen Tanzeinlagen kam. Als kleinen Beitrag unsererseits führten wir den Tanz Macarena vor, sodass einige Schüler schon bald mittanzen konnten. Außerdem erhielten wir zahlreiche persönliche Briefe von den Kindern.
An unserem letzten Tag durften wir die mitgebrachten Laptops an die Klassenlehrer überreichen. Die Freude darüber war riesig und wurde mit großem Jubel gefeiert. Auch Herr Tebrügge und Frau Lingemann fanden zum Abschluss passende Worte und sprachen eine herzliche Einladung für zukünftige Besuche in Deutschland aus. Den Tag ließen wir bei einer Competition ausklingen, an der auch unsere Partnerschule teilnahm und erfolgreich abschnitt.
Nach einem emotionalen Abschied, bei dem die ein oder andere Träne floss, und nach vielen Umarmungen und Handschlägen machten wir uns auf den Weg nach Nairobi, um am nächsten Tag die Heimreise anzutreten.
Diese Reise wird uns ein Leben lang begleiten. Die vielen Erfahrungen, die wir sammeln durften, die besonderen Begegnungen sind unvergesslichen Erinnerungen, die einen festen Platz in unseren Herzen gefunden haben. Besonders die Lebensfreude, Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Menschen in Kenia haben uns nachhaltig beeindruckt. Trotz oft schwieriger Lebensbedingungen begegneten uns die Menschen mit großer Dankbarkeit, Offenheit und Optimismus. Von dieser Haltung können wir vieles mitnehmen und lernen.
Nina Cordes, Q1
