„Raus aus der Schule, rein ins Leben“

„Raus aus der Schule, rein ins Leben“ – so hieß es im Mai 2017 für den Grundkurs Religion, Einführungsphase (Stufe 10), von Herrn Rettler. Der Religionsunterricht in der 7./8. Stunde fand entsprechend nicht im Kursraum C 3.2 des Gymnasiums Maria Königin, sondern im Besuchszimmer des St. Elisabeth-Hospizes in Altenhundem statt. 22 Schüler lauschten von 13.30 – 15.00 Uhr gespannt der erfahrenen Pflegekraft für schwerstkranke und unheilbare Menschen, Frau Gudrun Pahlke.

Schule an einem anderem Ort weckte die Aufmerksamkeit der Schüler, und so folgten sie konzentriert den persönlichen und ehrlichen Ausführungen der neuen Dozentin. Viele Fragen wurden gestellt, etwa nach der psychischen Belastung der Arbeit mit Sterbenden, der anstrengenden Trauerarbeit mit den Angehörigen, der Entspannung einer Pflegekraft nach Feierabend, der richtigen Berufswahl einer Pflegerin, die es tagtäglich mit besonderen menschlichen Gefühlen in ihrem Beruf zu tun hat. Frau Pahlke antwortete ungeschminkt und ehrlich, und mit ganz viel Charisma. „Man muss schon auf sich aufpassen, dass es nicht an die eigene Gesundheit geht“, sagte sie mehrfach. Trotzdem könne sie Arbeit und Leben gut miteinander verbinden, fügte sie hinzu.

„Und wie ist es mit dem Thema Sterbehilfe bei euch in St. Elisabeth?“, wurde sie gefragt, jenem Thema, das den Kurs zum Hospiz hingeführt hatte. „Das Wort wird von unseren Gästen fast nie in den Mund genommen“, sagt Gudrun Pahlke. (Gäste heißen die Menschen, die in St. Elisabeth wohnen, nicht Patienten.) „Unsere Gäste wollen, dass wir Zeit für sie haben, dass wir ihre individuellen Wünsche respektieren und dass sie mit uns über ihr Leben reflektieren können, um abzuwägen, was gut und was schlecht, was leicht und was schwer in ihrem Leben war. Sie wollen nur, dass wir ihnen mit Empathie und Compassion begegnen. Mehr nicht.“ Und das alles bekommen sie reichlich in dem kleinen Hospiz über dem Seniorenheim neben dem St. Joseph-Hospital, getragen von einem Trägerverein und mitfinanziert von der Wohlfahrtspflege in NRW und der Fernsehlotterie. So gibt es auch keine festen Besuchszeiten, Angehörige dürfen immer kommen, selbst kleine Haustiere dürfen sie mitbringen, so Frau Pahlke.

Die Hospizarbeit ist an diesem Nachmittag für die Schüler zu einem beeindruckenden Instrument geworden um menschliche Not zu lindern. Die christliche Hospizarbeit ist zudem ein ganz wichtiger Baustein innerhalb der Sozialinitiative der beiden großen christlichen Kirchen Deutschlands der letzten Jahre geworden um die soziale Lage in Deutschland im Sinne der Compassion (des Mitgefühls untereinander) zu verbessern.

Winfried Rettler